Jungfernhof

Juni 3, 2008

Viele Jahre sind nun vergangen, und die Empfindungen, Erfahrungen und Eindruecke aus meiner Kindheit ruecken mit der Zeit langsam, aber deutlich aus meinem Gedaechtnis, jedoch die Spuren bleiben.
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Das Dorf in dem wir wohnten hiess Jungfernhof.
Kaum ein Wunder, dass die „Kim’s-Kinner“, wie man uns haeufig nannte, die dicksten Freunde waren.
Wir teilten fast alles: die Angst vor unseren Eltern, ebenso wie die fast ekstatische Freude, die uns ueberfiel, wenn papa und Co mal nicht zuhause waren. Sobald die Haustuer ins Schloss fiel, spaete einer von uns aus dem Kuechenfenster, um sicherzustellen, dass der blauschwarze Mercedes auch wirklich die schmale Steinkaul runterfuhr.
Wir konnten dann tun und lassen, was uns gefiel, oder besser gesagt: wir konnten das machen, was wir sonst nicht durften. Es wurde geschrien, gerannt, gerauft(meist ging es um den Fernseher, vor dem Ester dann gebannt die Abenteuer verfolgte).
- dieses Stress-auslassen liess auch dann nicht nach, als wir dann klavierunterricht zuhause hatten, und mom ganz zufaellig im Asbacher Vorteilcenter einkaufen fuhr.
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Einmal besuchte uns DIE Tante aus Duesseldorf – ‘Tante’, so wurde jede zweite koreanische Dame genannt, mit der wir Umgang pflegten(wir hatten auch eine Tante-Koeln): eine alte Dame mit turbanartig hochgetuermter Frisur, welche sie aber keineswegs groesser erscheinen liess. Irgendwie war sie fuer mich eine kleine fiese Hexengestalt, denn ich erinnere mich, dass sie meist schwarze Klamotten trug, ihr Gesicht dunkel und schattig war und die passende Stimme dazu hatte.
Sie fuehrten ein kleines Geschaeft im Ruhrgebiet, und als sie eines Tages auftauchte und uns eine ganze Box mit Instantnudeln gab, war klar, dass etwas faul war. Im wahrsten Sinne des Wortes, es stellte sich nach kurzer Zeit heraus, nachdem man das Datum auf der Verpackung genauer inszpiziert hatte, dass es sich um abgelaufenes und daher unverkaeufliches Lebensmittelprodukt handelte.
-> Das wiederum kann man nun in zweierlei Hinsicht deuten. Erstens: Die Tante wollte uns mit Absicht vergiften, aus welchem Grund auch immer(zwischenelterliches Business war fuer uns nie so richtig verstaendlich).
Zweitens: Sie dachte sich nichts weiter, man kann eben alles essen, man stirbt nicht davon.
Die erste Version ist fies, die zweite super fies, und irgendwie typisch koreanisch.
Ich kann mich nicht erinnern, von der Suppe gegessen zu haben, jedenfalls setzte mom der Geschichte noch ein Tuepfelchen drauf, indem sie schliesslich irgendeinmal unserem Klavierlehrer, dem sie dann und wann fuer den kleinen Hunger zwischendurch als kleine asiatische Koestlichkeit den geschmacklich hochwertigen Nudelsnack auftischte. Jarrett(nein, nicht der beruehmte Keith, sondern nur der kleine Bruder Chris) war begeistert, denn so etwas bekommt man als Amerikaner in Deutschland nicht alle Tage.
 Fuer Koreaner sind solche Dinge einfach zu schade wegzuschmeissen und haben keinerlei Gewissensprobleme damit, wenn andere davon sattwerden.
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The Korean Party

Juni 3, 2008

 

 

Afternoon hat nichts mit After am Hut, aber eines steht fest: es ist 15 Uhr Nachmittag und heute bleibt keine Zeit fuer Sex.
Koreanerparty ist heute angesagt, und da man dort andere Leidens- und Landsgenossen sichten und gesichtet werden muss, sind die sechs Stunden keine lange Zeit, wenn man sich von Kopf bis Fuss aufpeppen will. Gerade fuer die weiblichen Kyopo-Singles, deren unzaehliges Mass an Entscheidungen zwischen Gucci, Louis und Chanel- Fake Handtaschen in Kombination mit H&M Unterwaesche beim Lockenwickeln, hin und herschweifenden Blicken zur aufgeschlagenen Modezeitschrift verloren zu gehen drohen, ist diese Vorbereitungszeit ein innerer und aeusserer Kampf mit sich selbst. Jede Ausbuchtung und Landmarke des Koerpers wird inspiziert, gepflegt und in plastischer Hochform gebracht.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen, bzw. so etwas sieht man nicht alle Tage: Sunhi Kim ist nicht die schuechterne schleimige Streberin, wie wir sie bisher kannten, und auch Sandra Lee aus Meckenheim kann es nun endlich mit den Hamburger und Berliner Maedels aufnehmen. Die Zufriedenheit, die sich in dem Gesicht vor dem Spiegel breitmacht, spricht mehr als tausend Worte.

Sandra’s Aussehen koennte man so umschreiben: Nun gleicht sie einer asiatischen Schauspielerin auf dem nun nicht mehr ganz rotem Teppich, deren zweimaliger Auftritt nach langem langem Uueberlegen(wer war das noch einmal?)sich als Racing-girl in der nicht gerade beliebten Fernsehserie ‘Nichts oder Niemand’ entpuppt und Grund genug fuer einen Hinabstieg in die tiefere Drogenszene liefert, – aber noch gerade soviel Stolz besitzt erstklassige Fake-Tueten rumzuschleppen.

Hin und wieder sieht man auch ein paar Deutsch-haarige zwischen dem allgegenwaertigen Schwarzkoepfen, manche mit der asiatischen Freundin im Arm, andere verwirrt und vergeblich suchend.

Ein Glueck, dass es im Club so dunkel ist! Die Fake Louis-Tasche sieht endlich perfekt authentisch aus, und auch die mit Brillanten besetzten Chanel-Ohrringe deuten darauf hin: „Wow, die junge Dame da hat zwar kein Geld, aber den richtigen Style!“
Zu der aktuellsten Hiphop Musik wird nun getanzt, was das Zeug haelt, aber da es ja eine koreanische Fete sein soll, wird vereinzelt auch koreanischer Pop gespielt, wobei von den etwas eifrigen koreanisch –als –Fremdsprache-lernern enthusiastisch mitgesungen wird.


Warum Koreaner auf Korea-Parties gehen?
Damit auch in Zukunft fuer kraeftigen koreanischen Nachwuchs in Deutschland gesorgt ist und somit dem Aussterben von Kim und Lee als Familiennamen eine Schranke vor die Tuer gesetzt wird.